Auf der Suche nach Amris Freund

Wo ist Bilel Ben Ammar? Diese Frage beschäftigte in dieser Woche das politische Berlin, nachdem ein Nachrichtenmagazin am Wochenende brisante Meldungen über den Freunde des Berliner Weihnachtsmarktattentäters publiziert hatte. 

Was ist belegt?

Klar ist, der Marokkaner Bilel Ben Ammar hat sich noch am Abend vor dem verheerenden Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit dem aus Tunesien stammenden Attentäter Amri getroffen. Außerdem wurden auf seinem Handy Fotos vom späteren Anschlagsort gefunden. Bekannt ist auch, dass Ben Ammar neben Amri auch Verbindungen zu anderen, relevanten Islamisten hatte und einen Treueschwur auf den sog. Islamischen Staat (IS) abgelegt hatte. Für Irritation sorgt deshalb die Tatsache, dass Ben Ammar nur wenige Tage nach dem Anschlag festgenommen und nach Tunesien abgeschoben wurde – obwohl die Ermittlungen noch auf Hochtouren liefen. Unklar ist, wo sich Ben Ammar heute aufhält. 

Was wurde neu berichtet?

Schon früh spielte in den Ermittlungen die Frage eine Rolle, ob Bilel Ben Ammar während des Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz war. Dies konnte in den Ermittlungen nicht zweifelsfrei ausgeräumt werden. Diese These wurde in den aktuellen Berichten aufgegriffen. Ben Ammar sei nicht nur auf dem Breitscheidplatz gewesen, sondern solle auch einen Ersthelfer niedergeschlagen haben. Die angeführten Beweise liegen dem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages jedoch nicht vor. Ebenfalls berichtet das Magazin, Ben Ammar habe als Quelle für einen marokkanischen Nachrichtendienst gearbeitet. Die FDP-Fraktion wird daher nun beantragen, dass alle den Behörden vorliegenden Foto- und Videoaufnahmen vom Anschlagsabend dem Untersuchungsausschuss gebündelt vorgelegt werden. 

Was passiert nun?

Für Benjamin Strasser, Obmann der FDP im Untersuchungsausschuss Breitscheidplatz, sind die Vorgänge um Ben Ammar hochgradig befremdlich. Er erwartet echten Aufklärungswillen von der Bundesregierung: „Wichtig ist, dass Ben Ammar zeitnah gefunden und durch den Untersuchungsausschuss vernommen wird. Dafür kann ich mir am ehesten eine Vernehmung in Tunesien – etwa in der deutschen Botschaft – vorstellen. Wenn man ihn in Zusammenarbeit mit der tunesischen Regierung so schnell abschieben konnte, muss es der Bundesregierung auch möglich sein, seinen aktuellen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen“, so Strasser.

 

 

Den gestern von Horst Seehofer vorgestellten Bericht zu den Umständen der Abschiebung bewertet Strasser als nicht ausreichend. Er wirft dem Innenminister Passivität vor. Das Netzwerk hinter dem Attentäter müsse nun gründlich unter die Lupe genommen werden: "Gab es dort Helfer und Unterstützer? Sind immer noch gefährliche Personen in unserem Land aus dieser Szene, aus diesem Umfeld? All diese Antworten ist Herr Seehofer schuldig geblieben."


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#berlin #ua1bt 

 

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