Interview: Deshalb kandidiert Benjamin Strasser bei der Kommunalwahl

Benjamin Strasser sprach im Interview über die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 mit der Schwäbischen Zeitung darüber, warum er kandidiert und wie er Kommunalpolitik und Bundestagsmandat verbindet. Die Fragen stellte Philipp Richter.


Herr Strasser, Sie sitzen schon für die FDP im Gemeinderat Berg und kandidieren wieder. Jetzt auch noch zusätzlich für den Kreistag. Warum treten Sie an?

Benjamin Strasser: Ich bin schon fünf Jahre im Berger Gemeinderat und habe das als sehr prägende Zeit erlebt. Was wir in Berlin entscheiden, das spüren wir hier vor Ort. Diesen kurzen Draht und Austausch zwischen Berlin und den Gremien vor Ort finde ich wichtig. Ich möchte mein Netzwerk zur Verfügung stellen und mich einbringen.

Wie schafft man das rein logistisch zwischen der Hauptstadt und Oberschwaben?

Das ist tatsächlich eine logistische Herausforderung. Zum Glück gibt es den Flughafen in Friedrichshafen. Von Berlin mit Umstieg in Frankfurt schafft man es in drei Stunden nach Friedrichshafen. Ich bin schon seit eineinhalb Jahren Bundestagsabgeordneter und Gemeinderat und kann sagen: Das geht ganz gut. Allerdings muss ich auch offen sagen, dass ich nicht bei allen Sitzungen teilnehmen werden kann.

Wie oft haben Sie im Gemeinderat gefehlt?

Leider hat das mit der Koordination zwischen Sitzungswochen in Berlin und Sitzungsterminen in Berg 2018 nicht gut geklappt. Deshalb war ich nur bei circa zwei Dritteln der Sitzungen da. Das wird im neuen Gemeinderat sicher besser koordiniert werden.

Sowohl die Themen im Bundestag als auch die in den kommunalen Gremien sind oft sehr komplex und erfordern Einarbeit. Wie schafft man das?

Die Themen überschneiden sich auch. Zum Beispiel beim Thema Digitalisierung, was mir ein Herzensanliegen ist. Das schlägt in allen Gremien auf. In Berg wollen wir jeden Hof ans Internet anbinden, ich beschäftige mich aber auch in Berlin damit, wie man beispielsweise Förderprogramme zuschneidet. Für die Arbeit in Berlin habe ich auch ein starkes Büro im Rücken. Und man lernt, effizient zu arbeiten und stark zwischen Inhalt und Prosa zu unterscheiden.

Welche Themen sind Ihnen für den Landkreis wichtig?

Das ist die Digitalisierung. Warum trauen wir uns kein Modellprojekt für autonomes Fahren im öffentlichen Nahverkehr zu, wie es das schon in Friedrichshafen gibt? Zum Beispiel zwischen Berg und Ravensburg oder zwischen Berg und Weingarten. Das gibt es auch schon in Nordwürttemberg. Warum nicht hier im ländlichen Raum? Auch das Thema Telemedizin in Zeiten des Landarztsterbens müssen wir angehen. Wir brauchen auch kein neues Landratsamt für 200 Millionen Euro, sondern müssen dieses Geld in digitale Lernmethoden an den Kreisschulen investieren. Es kann nicht sein, dass der Tageslichtprojektor noch Alltag ist.

Eine Besonderheit in Berg ist, dass es dort als eine der wenigen Landgemeinden eine FDP-Liste gibt. Warum klappt in Berg, was in anderen Gemeinden schwierig zu sein scheint?

Daran sieht man, dass Berg eine fortschrittliche Gemeinde ist. (lacht) Und es hängt natürlich immer an den Menschen. Zwei Freunde und ich wollten liberale Politik machen und sind mit einer Liste gestartet. Wir haben jetzt wieder eine junge Liste mit Kandidaten zwischen 20 und 46 Jahren auf die Beine gestellt. Unser Ziel ist es jetzt, im Berger Gemeinderat eine Fraktion bilden zu können.

 

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