UA: LKA NRW stoppte Ermittlungen in Emmerich

Foto: Emilio Esbardo (CC BY-SA 4.0)
Foto: Emilio Esbardo (CC BY-SA 4.0)

Der Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016 hat diese Woche die Vernehmung von Zeugen fortgesetzt. Vor dem Gremium, dem FDP-Bundestagsabgeordneter Benjamin Strasser als Obmann seiner Fraktion angehört, berichteten ein Betreuer aus einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Emmerich, in der Anis Amri gemeldet war und zwei Beamte des Staatsschutzes aus dem zuständigen Polizeipräsidium in Krefeld, das bereits im Herbst 2015 erste Hinweise auf Amris radikal-islamistische Einstellung erhalten hatte.

Der Betreuer Wilhelm Berg berichtete, dass der spätere Attentäter Amri, bereits im im September 2015 in der Unterkunft als problematischer Bewohner bekannt war. Bereits an seinem ersten Arbeitstag wurde er von seinen Vorgesetzten auf Anis Amri aufmerksam gemacht, der zu einer Gruppe von Personen im Haus gehörte, die regelmäßig „Stress“ machen würden. Zu dieser Zeit bestand allerdings kein Verdacht der islamistischen Radikalisierung Amris. Die Betreuer der Unterkunft sollten ihn lediglich auf Grund von Diebstahlsdelikten beobachten. Berg gab an, Amri nur sehr selten in der Flüchtlingsunterkunft gesehen zu haben. Wenn dieser in Emmerich gewesen sei, habe er sich unauffällig verhalten. Unter den Flüchtlingen und den Betreuern in der Unterkunft sei zu diesem Zeitpunkt schon die eigentliche Identität Amris gekannt gewesen, so der Zeuge.

Im weiteren Verlauf der Sitzung des 1. Untersuchungsausschusses sagten auch die Kriminalhauptkomissare K. und D. aus Krefeld vor den Abgeordneten aus. Sie schilderten die frühen Ermittlungen gegen den späteren Attentäter Amri, aufgrund des Verdachtes radikalislamischer Betätigung. Die Hinweise hierzu kamen von einem Mitbewohner Amris in der Flüchtlingsunterkunft. Diese Information brachte dann die Ermittlungen ins Rollen und führte dazu, dass die Krefelder Ermittler einen sogenannten "Prüffall Islamismus" anlegten. Anis Amri war den Krefeldern Behörden damals jedoch nur unter seiner Aliasidentität „Mohammed Hassan“ bekannt. Die Aussage des Hinweisgebers stellte sich für den Beamten D. auch im Nachhinein, als sehr glaubhaft dar.

Die Ermittlungen in Krefeld wurden jedoch nicht intensiviert. Kurz nach der Befragung des Hinweisgebers erhielten die Kriminalkommissare einen Anruf aus dem Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen. Amri sei bereits Gegenstand in einer Ermittlung des LKA und die Krefelder Staatsschützer sollen aufgrund den Ermittlungen der „EK Ventum“ keine weiteren Maßnahmen ergreifen, so die Aufforderung aus Düsseldorf.

Für Benjamin Strasser machen die Vernehmungen erneut deutlich wie früh der spätere Attentäter von Berlin im Fokus der Sicherheitsbehörden stand. "Ab Herbst 2015 war den Behörden in Nordrhein-Westfalen schon klar, dass Amri sich in einem Netzwerk radikaler Islamisten bewegt. Es ist tragisch, dass es über ein Jahr später dennoch zur Ausführung eines Anschlags kommen konnte."

Mehr dazu:

 

#berlin #ua1bt

Zurück